Das Volk hat gewählt: Aus den zwei Übeln "GroKo" und "SchwarzGelb" hat es sich für das Letzte entschieden. Nun gut, auch wenn mir das Ergebnis nicht schmeckt, ist das doch Demokratie. Es wird eine – teilweise - neue Regierung geben und mir soll es recht sein, denn ich habe endlich wieder ein klares Feindbild.
Es gibt also eine "bürgerliche Regierung" aus Union und FDP. Warten wir mal ab, wie Herr Guido Westerwelle sein hanebüchenes "einfacheres, gerechteres und niedrigeres Steuersystem", a. k. a "Steuerstrukturreform", umsetzen wird. Absurd: ausgerechnet die Partei, deren marktliberales Credo in den letzten Monaten weltweit krachend den Bach runter ging, steht nun als Wahlgewinner da. Muss man dem Deutschen an sich nur ein paar verbale Brocken von "Steuersenkung" hinwerfen und er frisst sie – wider jeder Vernunft? Nun gut, der Deutsche an sich dürfte sich sehr bald schon an den Folgen der zusammengebrochenen Segnungen des Marktliberalismus verschlucken. Guten Hunger!
Und die SPD? Zertrümmert, abgestürzt, abgebrannt und so weiter. Man wurde Zeuge einer sehr bizarren Show: Steinmeier und Müntefering betreten das Podium und die Claqueure jubeln. Steinmeier erklärt sich zum Oppositionsführer, fast mag man denken, er wäre Wahlsieger. Und wieder tobender Applaus vom Fußvolk. Einzig der bronzene Willy Brandt wär gern schreiend aus dem nach ihm benannten Haus geflohen, aber der Ärmste ist ja festgedübelt und muss sich das alles antun, bis zum bitteren Ende. Über die Tage zog sich das Ende weiter hin: Münte weg, Heil weg, Steinbrück weg und so weiter. Der neue Hoffnungsträger ist einer, dessen politische Zukunft schon vorbei war: Sigmar Gabriel. Sein Spitzname: "Siggi-Pop", weil Gabriel von seiner Partei mal als Pop-Beauftragter zwischengelagert wurde. Ein Neuanfang sieht irgendwie anders aus.
Irgendein Mensch von der FDP sprach am Wahlabend in die Mikrofone, dass das Land "diese Regierung verdient" habe. Gewiss, er meinte das positiv, er machte sich quasi selbst ein Kompliment. Ich sehe das naturgemäß etwas anders. Da war ein Wahlkampf, der keiner war. Eine Kanzlerin, die nie und nirgends Position bezog und jede noch so geringe Festlegung vermied, die vorgab, "die Kraft" zu haben, aber nicht sagte, wofür. Ein Herr Westerwelle, der mit seiner FDP vielen alles und allen vieles versprach, der wie eine Platte mit Sprung das Wort der "Steuerstrukturreform" durchs Land trug, obwohl jeder weiß, dass dafür gar kein Spielraum da ist. Die Leute haben also massenhaft eine schwarz-gelbe Wundertüte gewählt und wissen im Grunde nicht, was drin ist. In diesem Sinne sage ich wirklich, dass das Land diese Regierung verdient hat. Als Kompliment sollten die Damen und Herren das nicht auffassen.
Für ein echtes Fazit ist es noch zu früh. Aber was nun auch kommt, eines immerhin ist sicher: Deutschland steht mal wieder vor einem strahlenden Neuanfang...


